|
"Ich bin mit meinem eigenen Stil geboren - allem
Suchen danach war ich enthoben". Bele Bachem, 1916 in Düsseldorf
geboren und seit 1950 bis zum heutigen Tag in München Schwabing ansässig
zählt zu den prominentesten Vertreterinnen der phantastischen Malerei
der Gegenwart. "Die Leute meinen, meine Bilder seien surrealistischdoch
ich bin Portraitistin. Portraitieren heißt für mich - zu versuchen,
den Hintergrund der Darzustellenden zu erfassen. Meine Bilder sind ganz
aus dem Herzen gemalt".
Die Bilderwelt der Bele Bachem mutet bizarr und grotesk an. Ihre zumeist
halbnackten üppig geformten Frauengestalten wandeln mit graziöser
Leichtigkeit in rätselhaften Landschaften oder verweilen in schicken
Salons, umgeben von mythischen Figuren, Fabelwesen und Tieren. Es gibt
nur wenig künstlerische Metiers, in denen Bele Bachem nicht tätig
war und als Malerin, Grafikerin, Bildhauerin, Keramikerin, Buchillustratorin,
Bühnenbildnerin und auch Autorin zählt sie zweifellos zu den
Urgesteinen der Gegenwartskunst.
Als Tochter des Kunstmalers Gottfried Bachem, belegte sie 1933 die Malklassen
der "Vereinigten Staatsschulen" bei den Professoren Rössner
und Kaus. Ihre damals schon phantastischen Bildinhalte aber ließen
sie dort zur Außenseiterin werden und die Professoren rieten ihr:
"Lassen Sie das Lernen! Setzen Sie sich in die Ecke und malen Sie
Ihre Phantasiebilder". Bereits vor dem Krieg aber wurde Bele Bachem,
erst 22-jährig, durch zahlreiche Presseveröffentlichungen bekannt
|

© Bele Bachem: "Korso der
Witwen"
und machte sich einen Namen durch ihre erste Bühnenbildgestaltung
unter Otto Falckenberg in München. Im Nationalsozialismus jedoch
stand Phantasie nicht hoch im Kurs und man erteilte der Künstlerin
Veröffentlichungsverbot. Nach dem Krieg knüpfte Bachem nahtlos
dort an, wo sie vorher aufhören musste: sie wurde eine gefragte
Bühnenbildnerin und Filmausstatterin. Sie arbeitete unter anderem
mit Gründgens, für das Deutsche Theater, machte die Bühnenbilder
für "Die Zaubergeige" von Werner Egk und das "Chiarina
Ballett" von Boris Blacher oder entwarf Kostüm und Dekor für
"Donna Diana"
|
von Axel Ambesser sowie für Rolf Thieles "Die
Halbzarte", mit Romy Schneider in der Hauptrolle. Zwei Jahre arbeitete
sie auch in der Porzellanmanufaktur Rosenthal in Selb und illustrierte
darüber hinaus "eine Unmenge von Büchern" - an die
100, glaubt sie. Auch Filmvorspanne, unter anderem für das "Wirtshaus
im Spessart" schuf sie, außerdem Plakate, Keramik- und Bronzeplastiken
sowie Stoff- und Teppichentwürfe. Kein Wunder, dass ein Kritiker
anlässlich ihres 80. Geburtstages schrieb: "In ihren leichten
Strich war eine ganze Generation verliebt!" Aber auch als Schriftstellerin
ist Bachem erfolgreich. In ihren Erzählungen wie "Ausverkauf
im Wind" oder "Magisches Taschentuch", gelingt es ihr "Menschen
und Begebenheiten zu Wortgemälden" zu verdichten, wie eine Zeitung
unlängst über sie schrieb.
Aber ihre große Liebe galt immer und gilt auch heute noch der Malerei.
Und die Zeit hiefür musste sie sich oft zwischen allen anderen Aufträgen,
die ihr und ihrer Tochter Bettina den Lebensunterhalt sicherten, stehlen:
"Mein Fleiß ist so grausam, wie das innere Fieber welches mich
treibt, meine Abenteuer, die das Leben mir zugleich in die Seele nagelte,
neu zu gestalten. So bin ich getrieben. Wissend, dass die Koryphäen
auf dieser Bühne uns alle überstrahlen, dass jahrhundertealte
Vorbilder über uns leuchten. Trotzdem wage ich es, Malerin zu sein".
© Heike Jahnz

|