"Meine Bilder sind ganz aus dem Herzen gemalt"

Die 85-jährige Bele Bachem zählt zu den prominentesten Vertreterinnen der phantastischen Malerei

"Ich bin mit meinem eigenen Stil geboren - allem Suchen danach war ich enthoben". Bele Bachem, 1916 in Düsseldorf geboren und seit 1950 bis zum heutigen Tag in München Schwabing ansässig zählt zu den prominentesten Vertreterinnen der phantastischen Malerei der Gegenwart. "Die Leute meinen, meine Bilder seien surrealistischdoch ich bin Portraitistin. Portraitieren heißt für mich - zu versuchen, den Hintergrund der Darzustellenden zu erfassen. Meine Bilder sind ganz aus dem Herzen gemalt".
Die Bilderwelt der Bele Bachem mutet bizarr und grotesk an. Ihre zumeist halbnackten üppig geformten Frauengestalten wandeln mit graziöser Leichtigkeit in rätselhaften Landschaften oder verweilen in schicken Salons, umgeben von mythischen Figuren, Fabelwesen und Tieren. Es gibt nur wenig künstlerische Metiers, in denen Bele Bachem nicht tätig war und als Malerin, Grafikerin, Bildhauerin, Keramikerin, Buchillustratorin, Bühnenbildnerin und auch Autorin zählt sie zweifellos zu den Urgesteinen der Gegenwartskunst.
Als Tochter des Kunstmalers Gottfried Bachem, belegte sie 1933 die Malklassen der "Vereinigten Staatsschulen" bei den Professoren Rössner und Kaus. Ihre damals schon phantastischen Bildinhalte aber ließen sie dort zur Außenseiterin werden und die Professoren rieten ihr: "Lassen Sie das Lernen! Setzen Sie sich in die Ecke und malen Sie Ihre Phantasiebilder". Bereits vor dem Krieg aber wurde Bele Bachem, erst 22-jährig, durch zahlreiche Presseveröffentlichungen bekannt

© Bele Bachem: "Korso der Witwen"


und machte sich einen Namen durch ihre erste Bühnenbildgestaltung unter Otto Falckenberg in München. Im Nationalsozialismus jedoch stand Phantasie nicht hoch im Kurs und man erteilte der Künstlerin Veröffentlichungsverbot. Nach dem Krieg knüpfte Bachem nahtlos dort an, wo sie vorher aufhören musste: sie wurde eine gefragte Bühnenbildnerin und Filmausstatterin. Sie arbeitete unter anderem mit Gründgens, für das Deutsche Theater, machte die Bühnenbilder für "Die Zaubergeige" von Werner Egk und das "Chiarina Ballett" von Boris Blacher oder entwarf Kostüm und Dekor für "Donna Diana"

von Axel Ambesser sowie für Rolf Thieles "Die Halbzarte", mit Romy Schneider in der Hauptrolle. Zwei Jahre arbeitete sie auch in der Porzellanmanufaktur Rosenthal in Selb und illustrierte darüber hinaus "eine Unmenge von Büchern" - an die 100, glaubt sie. Auch Filmvorspanne, unter anderem für das "Wirtshaus im Spessart" schuf sie, außerdem Plakate, Keramik- und Bronzeplastiken sowie Stoff- und Teppichentwürfe. Kein Wunder, dass ein Kritiker anlässlich ihres 80. Geburtstages schrieb: "In ihren leichten Strich war eine ganze Generation verliebt!" Aber auch als Schriftstellerin ist Bachem erfolgreich. In ihren Erzählungen wie "Ausverkauf im Wind" oder "Magisches Taschentuch", gelingt es ihr "Menschen und Begebenheiten zu Wortgemälden" zu verdichten, wie eine Zeitung unlängst über sie schrieb.
Aber ihre große Liebe galt immer und gilt auch heute noch der Malerei. Und die Zeit hiefür musste sie sich oft zwischen allen anderen Aufträgen, die ihr und ihrer Tochter Bettina den Lebensunterhalt sicherten, stehlen: "Mein Fleiß ist so grausam, wie das innere Fieber welches mich treibt, meine Abenteuer, die das Leben mir zugleich in die Seele nagelte, neu zu gestalten. So bin ich getrieben. Wissend, dass die Koryphäen auf dieser Bühne uns alle überstrahlen, dass jahrhundertealte Vorbilder über uns leuchten. Trotzdem wage ich es, Malerin zu sein".
© Heike Jahnz