Die Bildersprache als Weltsprache

Die bulgarische Künstlerin wessi malt mit ihren Bildern gegen die Sprachbarrieren an

Kunst versteht sie vor allem als ein wichtiges und universales Mittel der Verständigung zwischen den Menschen: wessi, in Bulgarien geboren und heute in Wien lebend hat aufgrund ihrer eigenen Biografie als Bulgarin, die schon früh auch in der deutschen Sprache lebte, erfahren, dass die Bildsprache universal ist und von jedem verstanden werden kann, der sich auf sie einlässt.
"Als Kind sprach ich nicht viel, zeichnete immer wenn mich die Dinge
überforderten, ich konnte mich sonst nur schwierig ausdrücken. Dann
musste ich Deutsch lernen - die Eltern bestanden darauf und ich gab
mir Mühe. So blieb die ursprüngliche Welt, meine bulgarische, bunte
Welt eingefangen in Strichen und Gesichtern. Dann kam ich nach Wien - weg von dem Süden. Ich sprach Deutsch, verstand, missverstand, lernte weiter und zeichnete - das verstanden dann alle", so die Künstlerin über ihren Weg zur Kunst. Kein Wunder also, dass der Turm zu Babel einen zentralen Platz in ihrem Oeuvre einnimmt: Seine Mauern beherbergen ihre Figuren, ihre Geschichten, in ihm verbirgt sich ihr Blick auf die Welt. Mit dem "Babelturm" überwindet die

© wessi: "Turmbau zu Babel"

Künstlerin die Sprachbarrieren. Zugleich aber ist er für sie auch ein Symbol für die Irrungen der Gegenwart, die übertriebene und künstliche Konsumwelt zum Beispiel. Darüber hinaus beschäftigt sich wessi mit der Thematik des Menschen, der verstrickt ist in seine Wünsche, verfangen in religiösen Vorstellungen und verloren in einem Irrgarten der irdischen Phantasien vom Glück.
Zumeist sind es akribisch gemalte Aquarelle, mit zurückhaltender und harmonischer Farbgebung, die die Geschichten der Künstlerin erzählen.

Neben den Aquarellen nimmt die Tuschezeichnung einen großen Raum in wessis Werk ein.
Schon früh hat die 1971 in Sofia geborene Künstlerin ihren Weg zur Malerei gefunden: so absolvierte sie das Sofioter Gymnasium für Bildende Künste, ausgezeichnet mit dem 1. Absolventenpreis. 1991 wurde sie an der
Sofioter und an der Wiener Akademie der Bildenden Künste aufgenommen und siedelte nach Wien über. Stipendien führten sie an die "Montclaire
State University", und die "National Academy of Art and Design" in New York. Besonders intensiv beschäftigte sich wessi mit der Restaurierung von Gemälden und wurde an der Meisterschule für Restaurierung und Konservierung an
der Wiener Akademie der Bildenden Künste aufgenommen. Ihr künstlerisches Talent stellte sie in einer sehr international ausgerichteten Ausstellungskarriere unter Beweis, die sie nach Moskau, Wien, New York oder Washington führte.

© Heike Jahnz